Produktfotografie 2.0: 3D-Kamera-Steuerung mit KI
Die Erstellung von professionellen Produktfotos ist oft ein aufwendiger und kostspieliger Prozess. Insbesondere wenn Produkte aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert werden sollen, erfordert dies klassisch ein aufwendiges Fotoshooting-Setup, Drehteller-Aufnahmen oder teure manuelle 3D-Modellierung.
In diesem Portfolio-Eintrag stelle ich eine innovative Lösung vor, die das Qwen Image Edit 2511 Modell in Kombination mit einer speziellen LoRA (Low-Rank Adaptation) für 3D-Kamera-Steuerung nutzt. Dieses System ermöglicht es, aus einem einzigen Input-Foto realistische Ansichten aus praktisch jedem Winkel zu generieren – und das ohne ein echtes 3D-Modell zu besitzen.
Das System läuft lokal auf meiner Hardware und nutzt modernste KI-Technologie, die auf über 3000 Gaussian Splatting Renderings trainiert wurde, um ein tiefes räumliches Verständnis zu simulieren.
Das Ausgangsbild (Input): Ein statisches Foto, welches als Basis für die Generierung dient.
Deep Dive: Qwen Image Edit & Multi-angle LoRA
Das Herzstück dieser Lösung ist das Qwen Image Edit 2511 Modell, das durch die Multi-angle camera control LoRA (fal/Qwen-Image-Edit-2511-Multiple-Angles-LoRA) erweitert wurde. Diese Kombination, ursprünglich entwickelt unter Mitwirkung von fal.ai, stellt einen Durchbruch in der bildbasierten Bearbeitung dar.
Warum Gaussian Splatting Daten?
Das Modell wurde nicht einfach auf 2D-Bildern trainiert, sondern auf 3000+ Gaussian Splatting Renders. Gaussian Splatting ist eine moderne Technik zur Darstellung von 3D-Szenen. Durch das Training auf diesen synthetischen Daten hat die KI “gelernt”, wie sich Objekte im Raum verhalten, wenn sich die Kamera bewegt. Dies ermöglicht konsistente Perspektivwechsel, bei denen Licht und Schatten logisch mitwandern.
96 Kamerapositionen
Die LoRA bietet eine granulare Kontrolle über 96 definierte Kamerapositionen. Diese Positionen decken eine Hemisphäre um das Objekt ab, was bedeutet, dass wir das Produkt von allen Seiten (360 Grad im Kreis) sowie aus verschiedenen Höhen (Elevation) betrachten können.
Lokale Implementierung & Workflow
Ein entscheidender Vorteil dieses Setups ist die lokale Ausführbarkeit. Da sensibelste Produktdaten oft das Haus nicht verlassen dürfen, habe ich das Modell lokal deployt. Die Interaktion erfolgt über ein Interface, das präzise Kontrolle über die Generierungsparameter erlaubt.
Einblick in den lokalen Workflow: Einstellung der Kamerawinkel und Parameter zur Steuerung der Generierung.
Der Prozess im Detail:
- Image Ingestion: Das Quellbild wird geladen. Wichtig ist hierbei eine saubere Freistellung oder ein definierter Hintergrund, um Artefakte zu vermeiden.
- Angle Selection: Über Parameter wie
azimuth(horizontale Drehung) undelevation(vertikale Neigung) definiere ich die Zielperspektive. - Inference: Das Modell berechnet das neue Bild. Im Gegensatz zu klassischen 3D-Renderern, die Geometrie berechnen, “träumt” die KI das Bild basierend auf ihrem räumlichen Verständnis neu.
- Refinement: Optionale Nachbearbeitungsschritte (z.B. Upscaling) sorgen für den finalen, druckreifen Look.
Anwendungsfall: Revolution im E-Commerce
Für Online-Shops ist die umfassende Darstellung von Produkten entscheidend für die Conversion-Rate. Kunden möchten Produkte “anfassen” können, was digital durch Ansichten von allen Seiten simuliert wird.
Konkrete Vorteile für Unternehmen
- Massive Kosteneffizienz: Ein einziges Foto vom Hersteller oder Prototypen reicht aus, um eine ganze Galerie für den Webshop zu füllen.
- Schnelle Iteration & A/B Testing: Marketing-Teams können testen, ob ein Produkt in der Draufsicht oder in der 45°-Ansicht besser verkauft wird, ohne ein neues Shooting zu buchen.
- Konsistenz im Katalog: Sie können definieren, dass alle Schuhe im Shop exakt im 30°-Winkel gezeigt werden. Die KI normalisiert ungleiches Ausgangsmaterial auf diesen Standard.
- Interaktive Erlebnisse: Durch die Generierung einer Bildsequenz (z.B. alle 10 Grad) lassen sich kostengünstig “Spinning”-Effekte (360°-Ansichten) für Produktseiten erstellen.
Ergebnisse
Hier sehen wir, wie das Modell dasselbe Produkt aus neuen Perspektiven interpretiert. Beachten Sie, wie die Geometrie des Objekts konsistent bleibt, obwohl keine echten 3D-Daten vorlagen.
Generierte Seitenansicht (Simulierter Kamerawinkel)
Generierte Seitenansicht (Simulierter Kamerawinkel)
Dieses Projekt demonstriert eindrucksvoll, wie generative KI traditionelle Workflows in der Medienproduktion nicht nur beschleunigt, sondern qualitativ erweitert, indem sie die Lücke zwischen 2D-Fotografie und 3D-Rendering schließt.